Vernissage am 16.08.19 „in 120 Tagen um die Welt“

Marika Fünffinger – Laudatio von Herrn Hans-Joachim Schatz anläßlich der Vernissage

der Ausstellung   „in 120 Tagen um die Welt“

 

Liebe Gäste,

erstmals hat eine Weltkugel Einzug gehalten in diesen Raum. Sie wurde durch die schmale Schmiedegasse geschoben und hat nun hier eine andere Gestalt angenommen. . Sie präsentiert sich  uns als großflächige Weltkarte mit Wasser und Land, mit Weltmeeren und Erdteilen.  Marika Fünffinger hat uns einladen, sie zu begleiten auf ihrer viermonatigen Weltreise, die sie im vergangenen Jahr unternommen hat.   Es ist für uns ein Spaziergang, der  vorbeiführt   an ihren Bildern , die nach dieser Reise entstanden sind mit Eindrücken, die sie  festgehalten hat  in zahlreichen Ländern mit  unterschiedlichen Kulturen.

Gestatten sie mir einleitend eine sehr persönliche Anmerkung. Marika Fünffinger lernte ich kennen, als sie gerademal sieben Jahre alt war. Wir lernten uns kennen in der damaligen Volksschule Edesheim. Dass wir nicht zusammen die Schulbank gedrückt haben, ist leicht ersichtlich. Ich stand vor  ihr, sie saß vor mir mit ungefähr 40 Klassenkameradinnen und Klassenkameraden. Vier Jahre lang  war ich  Marikas Klassenlehrer.  Wahrscheinlich sind sie nun neugierig.  Nun,  ich habe nichts zu verbergen. Marika war  eine sehr begabte, vielseitig interessierte  Schülerin, fleißig  und mit einem  ausgeprägtem Sozialverhalten.   Wenn es Mitschülerinnen und Mitschülern  nicht so gut ging, sie sich nicht so wohl fühlten aus welchen Gründen auch immer,  stand ihnen Marika stets zur Seite, machte ihnen Mut, munterte sie auf.  Sie zeigte Empathie , war stets  mitfühlend und das ist sie auch heute noch.

Dass sie sehr gut zeichnen konnte, war mir nicht entgangen. Aber ich konnte nicht im Geringsten ahnen, dass  sie einmal eine so  qualifizierte Künstlerin werden würde.  Und wie wir wissen, finden ihre Werke auch überregional und auch im Ausland  Anerkennung.  Deshalb  ist es eine besondere Freude für mich, dass ich als ihr ehemaliger  Lehrer heute  mit meiner  Laudatio ihre Ausstellung eröffnen darf.

Künstler und Reisen – ein interessantes Thema. Werfen wir einen kurzen Blick in die  Kulturgeschichte. Ob Schriftsteller, Dichter, Komponisten oder Maler,  viele  trieb es immer wieder in die Ferne und  ihre  Eindrücke  fanden  Niederschlag in ihren Kunstwerken.

Bleiben wir bei der Malerei. Der Engländer William Turner reiste nach Deutschland an den Rhein und  ließ sich verzaubern von Burgen und Schlössern im Mittelrheintal. Die Maler Gaugin und Nolde reisten in die Südsee, zeichneten Menschen  indigener Völker und  tropische Idylle

Nicht zu vergessen unser berühmter heimischer  Maler  Max Slevogt. Viele von ihnen haben die Bilder seiner Ägyptenreise bewundert.

Reisen war in diesen Zeiten  schwieriger als heute.

Die wohl beschwerlichste Reise hatte eine Frau unternommen und dies viele Jahre vor den gerade genannten Malern:  die in Frankfurt a. M. geborene  Maria Sibylla Merian. Sie  reiste  als 53 jährige mit ihrer Tochter in das südamerikanische Surinam .  Sie reiste als Forscherin und Künstlerin. Das war im Jahr 1699. Der Forscher Alexander von Humboldt traf 1799 in Südamerika ein,  Maria Sibylla Merian brach genau hundert Jahre zuvor nach Südamerika auf. Sie  streifte unter extremsten klimatischen Bedingungen und vielen Gefahren ausgesetzt durch den Dschungel, forschte über Pflanzen und Tiere, vor allem über  Insekten, Käfer und Schmetterlinge und hinterließ ein großartiges  naturkundliches künstlerisches Werk.

Nun eine Brücke zu schlagen zur Reise von  Marika Fünffinger  mag  schwierig erscheinen.  Zu vielfältig sind die Unterschiede.  Die Reisen der genannten Maler erfolgten  in anderen Zeiten, man reiste auch anders , nicht organisiert in Reisegruppen , auch nicht in so viele Länder.  Und dann diese  großen Namen.   Es gibt aber  eine Gemeinsamkeit .   Wenn Künstler reisen, nun nicht  rein privat, sondern als Kunstschaffende,  lassen sie sich inspirieren vom  Fremden, vom Andersartigen. So war es bei Slevogt, so war es bei Maria Sibylla Merian im Jahr 1700 und 1701  und so war es bei Maria Fünffinger  im Jahr 2018.

Sich inspirieren lassen, das bedeutet  für den Künstler: verweilen,  wirken lassen, das Gesehene verinnerlichen,  Empathie empfinden. Das ist häufig Staunen, Bewunderung,  mit unter aber auch Befremden. Der Künstler hält spontan Empfindungen  fest in Gedanken,  vielleicht in Worten oder in einer Skizze. um sie dann noch vor Ort oder wieder in der Heimat wiederzugeben. Impression wird zum Ausdruck, zur  Expression und Kunstwerke entstehen.

Marikas Reiselust wurde erst spät geweckt. Sie wurde geweckt durch die Malerei.   Sie mied bisher nordische Gefilde.  Es  zog und zieht  sie mehr in südliche Regionen.  Allein reiste sie nach Venedig, auch in die Toscana,  dann war sie mit  ihren Malkursen unterwegs,  die sich nach wie vor einer großen Nachfrage und  Beliebtheit  erfreuen. Sie reiste in die Provence und nach Mallorca. Heimatverbunden ist sie geblieben. Das bezeugen viele Bilder aus der Region.

Reisen bedeutet für sie  , mit allen Sinnen anderes,  Fremdartiges wahrzunehmen, möglichst mit allen Sinnen,  mit dem Auge, der Nase und der Hand :  mit offenem Auge die Weite der  blühenden  Lavendelfelder in der Provence  zu sehen , den Duft einzuatmen und  den Geräuschen des Windes zu lauschen , der durch die Felder streift. Menschen wahrzunehmen, sie zu beobachten, dem Klang ihrer fremden  Sprachen  zu lauschen.

Nun hatte  Marika Fünffinger ein besonderes Angebot erhalten, das sie nicht ausschlagen konnte.  Mit einer  viermonatigen Schiffsreise  von Januar bis Mai 2018  rund um den Globus  hat sie in  ihrem bisherigen  künstlerischen Schaffen einen besonderen Akzent gesetzt.  Gereist ist sie an Bord des Kreuzfahrtschiffs   MS Columbus  mit 1200 Menschen an Bord. Sie reiste nur bedingt als  Touristin, sie reiste  als aktive Künstlerin, doch nicht nur im eigenen Interesse. An Bord der Columbus erteilte sie Malkurse,  täglich 1 1/2 Stunden  , 50 Kurse insgesamt. Sämtliche Materialien hatte sie für die Kursteilnehmer an Bord geschleppt. Wegen der Vielfalt der Nationen wurde  in Englisch unterrichtet. Es war  nicht immer einfach, jedem Kursteilnehmer  gerecht zu werden. Sie musste in den Gruppen differenzieren, denn die Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten  unterschiedlichstes Niveau. Es gab Anfänger und weit Fortgeschrittene.

Gemalt wurde im Kurs, was man in vielen Ländern sah und  was beeindruckte.

Und das tat auch Marika.

Vor Ort:  wie schon erwähnt das Verweilen, wirken lassen.  Manchmal fehlte aber die Zeit. Dann griff sie zur Kamera . Sie  schlug  ihr Skizzenbuch auf,  skizzierte ,  später auch an Bord. Im Nebenraum gibt sie uns Einblick in die Vielfalt ihres Skizzenbuchs.

In ihrer Technik bediente sie sich der  Acryl -und Aquarellmalerei  und gestaltete auch in Mischformen.

Wir reisen mit ihr in fünf Kontinente, sehen Menschen, Landschaften, auch immer wieder Gebäude. Während ihrer künstlerischen Ausbildung in Hamburg hat  sich Marika intensiv mit Architektur beschäftigt, der heutigen, der modernen,  aber auch mit  Bauweisen aus vergangener Zeit. Ich möchte ein Beispiel herausgreifen. Links an der Wand sehen wir ein Aquarell, das den  Bahnhof von Mumbay in Indien zeigt.  Ich erinnere mich gut , als ich an der gleichen Stelle stand. Das war 1968. Wie lange ist das schon her . Marika war gerademal zwei Jahre alt.  Auch  ich bewunderte das prachtvolle Gebäude, das schönste in Mumbay,  im viktorianischen Stil erbaut. Ich hielt es nur mit der Kamera fest. Marika schuf ein sehr beeindruckendes Gemälde.  Doch nicht weit von diesem Bahnhof entfernt , nahe  an dieser  Demonstration von Macht und Reichtum des ehemaligen britischen Empires,  die Slums von Mumbay .  Marika hat sie festgehalten, wiederum ein Aquarell, das jedoch  bedrückend wirkt.

Wir reisen in alle Erdteile, in zahlreiche  Länder, sehen Menschen  bei der Arbeit, Händler,  Bauern, Fischer, auch  Frauen und Kinder.

Alexander von Humboldt hat einmal gesagt : „Die Natur muss gefühlt werden“. Marika Fünffinger hat sie gefühlt,  obwohl sie sich nicht als Naturmalerin versteht.  Doch sie zeichnete Natur : Pflanzen in tropischen Gefilden , Landschaften, Flüsse und Meere, der Mensch stets eingebunden.

Wie schön und interessant  ist unsere Erde. Sich an ihrer Vielfalt  zu erfreuen, sie aber auch in ihrer Vielfalt zu bewahren, die Menschen in ihrer Vielfalt  stets mit einbezogen,   dies sind Botschaften dieser Ausstellung.

Lassen Sie sich beeindrucken von Marika Fünffingers Impressionen rund um den Globus.

 

Hans-Joachim Schatz                                  Edenkoben, den 16.August 2019